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Scuola
Grande Santa Maria della Misericordia
Öffnungszeiten:
9.00-12.00 - 15.00-18.00; Montag geschl.
Eintritt:
Adresse: 3259/a, Calle dei Furlani - Castello - Venedig
In Jacopo Sansovinos Entwurf (1537) sollte der neue Sitz der Bruderschaft
durch seine Pracht und Grösse jedes andere Gebäude der Stadt in den
Schatten stellen. Ihr 21 x 49 Meter grosser Saal wird tatsächlich nur
durch den Saal des Maggior
Consiglio im Dogenpalast überboten. Wir können davon ausgehen, dass dieses grossartige
Bauvorhaben des 16. Jahrhunderts durchaus zu einer Art Konkurenzkampf
gehört, den die Laienbruderschaften Venedigs damals untereinander austrugen.
Der Bildhauer und Architekt Jacopo Sansovino war erst seit kurzer Zeit
in der Lagunenstadt; wie viele andere Künstler hatte er Rom nach der
Plünderung durch die kaiserlichen Soldaten unter Karl V im Jahr 1527
verlassen. Der Entwurf sollte sich nicht nur durch seine Grösse auszeichnen,
sondern auch die architektonischen Formen. Geplant war im oberen Saal
eine für Venedig ungewöhnliche und technisch sehr gewagte Wölbung, wahrscheinlich
über ovalem Grundriss. Kriegswirren, Pestepidemien und die Zweifel der
Auftraggeber führten dazu, dass das Projekt nur teilweise und mit vielen
Kompromisslösungen ausgeführt wurde. Die Fassade sollte eine reiche
Marmorverkleidung mit Skulpturennischen und Halbsäulen erhalten, die
jene der soeben fertiggestellten Scuola San Rocco übertreffen sollte;
die heutige Ziegelwand, die für diese Verkleidung vorbereitet wurde,
zeigt ein interessantes Beispiel für ein unvollendet gebliebenes Werk,
eine Art permamente Baustelle. Es scheint als ob die unglückliche Geschichte
dieser frühen Jahre dafür prädestiniert war sich auch in der Moderne
fortzusetzen. Der architektonische Torso, dessen Inneres allerdings
eine reiche Ausstattung besass, musste im Lauf der Zeit, nach dem Ende
der Republik, viele Funktionsänderungen über sich ergehen lassen, zuletzt
wurde er als Sporthalle verwendet. Erst seit Kurzem konnte dieser traurige
Abschnitt der Geschichte abgeschlossen werden. Der Architekt Giovanni
Battista Fabbri arbeitet seit Jahren an einem einfühlsamen Revitalisierungsprojekt,
durch das die historischen Räume eine ihrem Charakter entsprechende
Funktion erhalten sollen. Im Erdgeschoss wird der CIAM eine Unterkunft
finden (Informationszentrum für Musik), während im oberen Stock ein
Konzertsaal für Kammermusik und symphonische Orchester eingerichtet
wird. Die Scuola wird zu neuem Leben erweckt und Venedig bekommt eines
seiner bedeutendsten historisch-künstlerischen Denkmäler zurück.
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